* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren








vielleicht wieder gut zu machen

Vor sieben Jahren trennte er sich das erste Mal.
Vor sieben Jahren zog eine sehr enge Freundin mit in meine Wohnung.
Ich wurde verlassen und zeitgleich zerbrach ihre Ehe unter so entsetzlichen Lügen, Tränen und Befürchtungen, dass ich überzeugt war, sie würde sich in meiner Wohnung das Leben nehmen.
Nie zuvor wurde ich so extrem in einen Trennungsprozess gezogen wie in den folgenden sechs Wochen.
Sie nahm mich voll ein, sie bedrängte mich, sie nahm mir jegliche Luft und liess mich hilflos erscheinen.
Ja ich glaubte ihr nicht!
Ja ich ertrug ihre Anwesenheit nicht mehr!
Ja ich fühlte mich ausgezerrt von ihr!
Ja ich konnte ihrem Schmerz, ihre Verzweiflung und ihre Wut nicht mehr nachvollziehen.
Er kam nach nur einer Woche zurück zu mir.
Und während ich darüber vergass was Trennungsschmerz bedeuten kann, wieviele Tränen ich nur wenige Tage zuvor weinte....wünschte ich sie und all ihren Kummer fort.
Erleichtert darüber, dass wenigstens mein Leben wieder gut war, kritisierte ich sie sechs Wochen später für ihr Verhalten, ihren grenzenlosen Schmerz und ich hasste sie dafür, dass sie mich am meisten brauchte.
Wir zerstritten uns furchtbar - Neudeutsch darf man es gerne Zickenterror nennen - und sahen uns nicht mehr wieder.
Ein merkwürdiger Zufall sorgte dafür, dass wir uns knapp ein Jahr später zufällig wieder begegneten, redeten, Vergangenes entschuldigten und uns wieder regelmässig trafen.
So ganz innig wurde unsere Freundschaft aber nie mehr.
Nie mehr bis zu dem Zeitpunkt, als das Leben mir lehrte, für meine Arroganz zu zahlen, verstehen zu müssen!
Es war nicht die selbe Geschichte aber die Tränen waren die Gleichen.
Die Wut, die Verzweiflung, diese Todessehnsucht, ...die Demütigungen - der Schmerz.
All diese ekelhaften Erfahrungen brachten uns wieder näher - noch näher als je zuvor. Erst jetzt konnte ich verstehen...

Und plötzlich tauchte sie auf, nur zwei Monate nach mir von ihrem Freund ebenfalls nach acht Jahren verlassen. Für eine jüngere, mit der er sich bereits vor ihrer Nase in der noch gemeinsamen Wohnung vergnügte.
Warum sie nicht schon früher auszog?
Ihre Mutter lag in einem langen Sterbeprozess, verständlich, wenn man dabei nicht auf Wohnungssuche geht. Erst vor wenigen Wochen verstarb sie und meine alte neue Freundin fühlte sich wurzelloser, als ich es je war.
Sie erträgt ihre Situation sehr viel stärker als ich es je konnte und doch musste sie weg aus der gemeinsamen Wohnung, von den verhöhnenden Geräuschen der neuen Beziehung, von einer der schlimmsten Kränkungen, von denen ich wünschte, sie wären ihr erspart geblieben.

Sie wohnt jetzt bei mir. Sie darf von mir nehmen....sie darf so verzweifelt und traurig sein, wie sie es nur möchte und ich werde versuchen sie zu halten. Alles das tun, was ich vor sieben Jahren nicht konnte, nicht wollte - nicht verstand.
Jetzt verstehe ich und vielleicht....vielleicht kann ich damit nur ein ganz kleines Bischen wieder gut machen.
21.4.13 17:38
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung