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Lost and found!

Ich hatte sie komplett verdrängt, völlig aus meinem Gedächtnis gestrichen ... nie gedacht, dass ich so etwas je hatte.
Sie war immer bei mir,
immer in meinem Arm... wenn ich ins Bett ging,
wenn ich glücklich war,
wenn ich traurig war sowieso und meine Eltern haben sie beim Entrümpeln gefunden.
Meine Kummerkatze, die offenbar in den ersten drei Lebensjahren mein Ein und Alles war.
Schwarz und abgegriffen als hätte sie die Hölle durchgemacht.
Gezeichnet von den Jahren als sie für mich da war - halb verrottet von den Jahren, als sie auf dem Dachboden langsam einstaubte und komische Grüche annahm.
Plötzlich war alles wieder da ... schöne Augenblicke meiner Kindheit und traurige Momente meiner Kindheit und selbst meiner Jugend - auch wenn die Katze längst schon in Vergessenheit geraten war.

Grundsätzlich hatte ich es nicht schlecht, ich hab Baumhäuser gebaut, mich mit Freunden gezankt oder gekloppt, bin mit aufgeschrammter Haut am ganzen Körper rumgelaufen, hab Faxen gemacht, gelacht und war immer irgendwie verrückter als andere, war dreckig von Kopf bis Fuss und überhaupt alles, was man so sein kann, wenn man auf dem Land gross wird -
zu Hause aber wurde ich irgendwann still ...

... im Laufe der Jahre, als mein Bruder plötzlich da war, fing es an.
Es sind einzelene Blitzlichtmomente, die in meinen Erinnerungen auftauchen.
Ich wurde sehr oft für Dinge bestraft, die mein Bruder angestellt hat - nicht mit Schlägen, nein!
Mit Ignoranz von meinen Eltern, mit Einsperren im Kinderzimmer, mit bösen Worten ...
Er aber zog alle Aufmerksamkeiten nur auf sich, ganz egal wo wir waren und mit allen Mitteln. Seis einfach mit seinem Aussehen: so süss mit seinen blonden Löckchen, seinem Lächeln und seinen strahlend blauen Augen, umrandet von einem perfekt geschwungenen Wimpernkranz.
Meine komplette Verwandtschaft verliebte sich nur in ihn.
Der Kronsohn, der Goldengel, der Lieblingsneffe....er war sofort Gesprächsthema, ihn wollten alle halten und bei sich haben, er wurde immer zu erst begrüsst.
Gab es mal keine Aufmerksamkeit, dann holte er sie sich, mit Schreien, Stur sein, Bocken ... den kompensatorischen Ärger dafür bekam ich, die grosse Schwester, die doch schon Verantwortung tragen kann, die sich dann wenigstens ruhig verhalten sollte.
Klein, dürr, grüne Augen wie eine hinterlistige Schlange, hervorstehend wie bei einem Frosch mit spärlich geraden Wimpern und aschblondem nichtssagendem Haar, was einfach kurz geschnitten auf meinem Kopf lag.
Ich fühlte mich kaum noch wahrgenommen, gut als das Kind das ich war, geschweige denn wirklich geliebt.
Die volle Aufmerksamkeit mit bösen Schimpforten bekam ich nur dann, wenn ich versehentlich ein Glas Kakao umgeworfen habe oder zu laut schlürfte oder die Finger beim Essen zur Hilfe nahm.

Blitzlichtmomente, die ich schon lang kenne,
Blitzlichtmomente, die ich weder meinen Eltern noch meinem Bruder vorwerfen werde,
Blitzlichmomente, die mir trotzdem so fest in meiner Erinnerung geblieben sind, dass ich nie so werden wollte - dann lieber ein Leben ohne Kind, bovor ich unbewusst vielleicht das selbe Muster ausleben würde.

Und als hätte ich es mir heimlich zu einer Lebensaufgabe gemacht, musste ich offenbar auf der Suche nach jemandem sein, der das, was ich als Kind erlebte wieder gut machen würde.
Einen Partner an meiner Seite, der mir gibt, was ich vor vielen Jahren so sehr vermisste.
Es zieht sich wie ein fieses Band durch mein Leben, drei waren es bisher insgesamt.
Drei Männer, in die ich mich so heftig verliebte ... die mich nie wirklich wollten, die sich irgendwann zwar auf mich einliessen und doch nie voll und ganz zu mir stehen konnten.
Männer, die mich anfänglich ihren Freunden oder Eltern nicht vorstellten, zu allen öffentlichen Veranstaltungen entweder allein fuhren oder mich vor anderen plötzlich ignorieren.
Irgendwann einer nach dem anderen ... irgendwann schossen sie mich alle in den Wind.
Keiner von den denen hatte je den Mut oder den Anstand, es mir persönlich zu sagen und dabei ehrlich und aufrichtig zu bleiben. Ein kurzer Anruf, ein kurzer Brief, eine feige eMail.

Keiner schaffte es mich zu retten, etwas wieder gut zu machen, was ich still und leise in sie hinein projezierte.

Mich lieben, zu mir stehen,
mich wahrnehmen und umarmen - unendlich lang,
mich für eine tolle Frau halten - ihre Traumfrau,
zu ihrem Mittelpunkt machen, mich sehen!
Sie nahmen alle und schauten dabei durch mich hindurch.
Während ich in ihnen etwas suchte, was ich als ganz kleines Kind verlor.

Der Preis fürs Retten wäre nicht gross gewesen ... was hätte ich schon geben können, ausser bedingungslose Liebe und grenzenloses Vertrauen ...
14.4.13 13:02
 



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